Donnerstag, 1. Januar 2015

A Fighters Soul - Wesley TC Howard


Unser erster Interviewpartner ist der Filmschaffende, Kämpfer und Jugendarbeiter Wesley TC Howard. Der Mann mit dem Kampfnamen "Iron Monk" hatte in seinem Leben bereits einige Hürden zu bewältigen und hat sich dennoch niemals aufgegeben. Mittlerweile ist er bemüht, andere Menschen auf ihren Lebenswegen zu unterstützen und weiter an sich zu arbeiten, um seine Träume wahr werden zu lassen.







Kannst Du uns eine kurze Zusammenfassung Deines Werdegangs geben?

Als Kind einer Deutschen und eines US Amerikaners wuchs ich in Bayreuth (Oberfranken) auf. Ich besuchte die Hauptschule und habe sie dank Englisch und Sport sogar erfolgreich abgeschlossen. Nach der Schule geriet ich erstmal auf die "schiefe Bahn", da ich meine Ausbildung abbrach und in zwielichtige Geschäfte rutschte. Mit knapp 24 Jahren konnte ich das Ruder umreißen und habe nochmal eine Ausbildung angefangen. Diese schloß ich dann erfolgreich als Sport- und Fitnesskaufmann ab. Durch die Ausbildung kam ich zum Kampfsport und nach der Ausbildung sogar noch zum Profisport. Und die Reise ging noch weiter: Durch den Sport kam ich zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und zum Film. Verrückter Werdegang!

 "Es war nur wichtig zu erkennen wer wirklich meine Freunde sind!" 

Wie ist es Dir gelungen den zwielichten Geschäften zu entkommen und das Ruder doch noch herumzureißen?
Zum einen half mir die Geburt meines Sohnes und zum anderen der Sport und die Disziplin, die er mit sich bringt. Ich würde meinen Umgang nicht unbedingt als schlechte Gesellschaft bezeichnen. Es war eine andere Welt, in der ich lebte. In dieser gab es gute Dinge und es gab auch schlechte Dinge. Nur meine Einstellung hat mir viele schlechte Dinge eingebracht. Also musste ich meine Einstellung ändern. Dann erst betritt man eine andere Welt. Sich räumlich zu distanzieren hat mir nur bedingt geholfen und meinen Freundeskreis zu wechseln kam für mich nie in Frage. Es war nur wichtig zu erkennen, wer wirklich meine Freunde sind und da blieben eben nur wenige, jedoch wichtige Menschen übrig.

Wie sieht Dein Leben heute im Unterschied zu damals aus?

Nun ja, ich bin jetzt 35. Und ich muss sagen Einiges, das ich damals erlebt habe, kann ich eigentlich gar nicht mehr so richtig glauben. Wenn ich die "Sopranos" (eine Mafia-Serie) ansehe, erkenne ich witzigerweise, dass ich mit Leuten Geschäfte gemacht habe, die sehr ähnlich vorgingen. Es wurden vielleicht nicht so viele umgebracht wie in der Serie (lacht). Aber die Ansichtsweisen und Vorgehensweisen vieler Leute, die ich kannte, waren ziemlich identisch. Und jetzt arbeite ich an einer Schule und muss mich mit Kindern rumschlagen, die genauso waren wie ich früher.Hahaha. Nur muss ich alles daran setzen, sie vor den Wegen, die ich eingeschlagen hatte, zu schützen. Ich versuche vieles wieder gut zu machen und muss ganz vieles lernen, was ich nie gelernt habe. Ja,auch ein Hans muss dazu lernen, was Hänschen nicht lernte. Zum Beispiel so einfache Dinge wie Behördengänge nicht zu vernachlässigen, Briefe zu öffnen und wichtige Telefonanrufe auch anzunehmen. Früher war mir das alles egal. Und ich bekam die Rechnung dafür. Sprichwörtlich wie auch sinngemäß. 





Du hast einmal gesagt, der Kampfsport hätte Dir sehr geholfen. Was bedeutet dieser Sport für Dich?

Die puristischste Form der Auseinandersetzung ist der Kampfsport. Man muss sich überwinden und man sieht erst hier, was man wirklich kann. Man wird in seine Schranken gewiesen und man kann nicht schummeln. Das sind schon mal ganz wichtige Punkte, die einem helfen. Zum anderen braucht man Disziplin, um besser zu werden und man darf nicht aufgeben. All diese Grundsätze übernimmt man auch für sein Leben, wenn man lange genug trainiert. Man erkennt, dass Verbrechen zum Beispiel wie Schummeln ist und man am Ende den Preis dafür zahlt. Das ist im Kampfsport auch so. Schummelt man im Training, wirkt sich das auf den Kampf aus. Man kommt so oft in Situationen, in denen man denkt es geht nicht mehr und plötzlich geht es doch noch weiter. 

Du setzt Dich häufig für Minderheiten ein. Was hat es damit auf sich?

Hauptsächlich bin ich durch meinen Beruf mit Minderheiten in Kontakt. Ich arbeite als Schulcoach an einer Hauptschule in Erlangen und versuche dort Jugendlichen mit schwierigen Laufbahnen zu helfen. Wir haben an unserer Schule 46 Nationalitäten und ich bin stark in die Intergrationsarbeit involviert. Viele der Schüler sind Flüchtlinge und leben in Containern mit ihren Eltern oder sogar alleine. Ich unterstütze die Schüler als Ansprechpartner, Freund und Hilfslehrkraft. Ich mache Freizeitaktionen mit ihnen und lasse einige bei mir in meiner Kampfsportschule trainieren.Im Winter sammeln meine Frau und ich gerne Kleidung von Freunden und verteilen diese an Obdachlose oder an Flüchtlingslager. Naja, es ist ein Tropfen auf dem heißen Stein. Doch während andere sich nur über fehlende Intergration beschweren, versuche ich lieber etwas dazu beizutragen.


"Ich unterstütze die Schüler als Ansprechpartner, Freund und Hilfslehrkraft. Ich mache Freizeitaktionen mit ihnen und lasse einige bei mir in meiner Kampfsportschule mit trainieren."

Im Moment arbeitest Du zusammen mit Deiner Verlobten an dem Film "Rasse". Wie kam es zu diesem Film? 

Wie gesagt, bin ich durch den Sport zu meiner ersten Rolle in einem Martial Arts Film gekommen. Diese Faszination hat mich dann festgehalten und sich zu einer Leidenschaft entwickelt, die mich auch hinter die Kamera geführt hat. Der Film Rasse hat allerdings nichts mit Kampfsport zu tun.

Der Film handelt von einem 17jährigen Deutschen, der an einer Schule mit hohem Migrantenanteil aufgrund seiner Herkunft gemobbt wird.




Bist Du schon selber Opfer von Diskriminierung geworden?

Ja, als ich jung war gab es noch nicht so viele Dunkelhäutige an Schulen, was dazu führte, dass ich bis zur sechsten Klasse sehr gemobbt wurde. Ich hatte da auch noch kein Selbstbewusstsein, um mich dagegen zu wehren.

Was kann man Deiner Meinung nach dagegen tun, um gegen Diskriminierung in Deutschland vorzugehen?

Diskriminierung ist ein weltweites Problem und liegt zum Teil auch in der Natur des Menschen, was aber nicht heißt, dass man nichts dagegen tun kann. Ich sage immer man muss bei sich selbst anfangen und erkennen, ob man nicht selbst diskriminierend, vorurteilsvoll oder sogar rassistisch oder nationalistisch ist. Man muss an sich selbst arbeiten. Dann wird man zum Vorbild für andere. Nur so kann man etwas bewirken.

Welche Ziele setzt du Dir für die Zukunft?

Meine Reise ist noch lange nicht beendet. Aber nun führe ich diese Reise gemeinsam mit meiner Verlobten und bald Ehefrau fort und wir haben es uns zum Ziel gemacht, eine tolle Ehe zu führen, gute Vorbilder zu sein und viel Gutes auf der Welt zu hinterlassen. Wenn ich konkretere Pläne nennen müsste, wäre einer davon auf jeden Fall noch weitere Filme zu drehen, die die Menschen bewegen und zum Nachdenken bringen. Ein Langspielfilm ist schon in Planung. 




Was ist für Dich der "True Spirit"?

Der True Spirit? Hmmm, ich versuchs mal in meinem Lieblingsspruch wiederzugeben:


"Alles was man austeilt kommt wieder zurück, drum wünsch ich Feinden das Gleiche wie Freunden, Liebe und Glück"




Lieber Wesley vielen Dank für das interessante und aufschlussreiche Interview!




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