Montag, 9. Februar 2015

"Es gibt mehr als ein toller Manager zu werden" - Josef Lechner


Josef macht eine Ausbildung zum Brauer und Mälzer. Studiert hat er aber eigentlich etwas ganz anderes, nämlich European Business Studies in Regensburg. Nach dem Studium arbeitete er mehrere Jahre als Manager in den verschiedensten Ländern der Welt, bis er merkte, dass ihn sein Job nicht erfüllt. Als sich eine Chance bot, nochmal eine vollkommen neue Richtung einzuschlagen, zögerte er nicht lange.



In welcher Stadt lebst Du gerade und was hat Dich dorthin gebracht?
Ich lebe in Scheidegg, einem kleinen Örtchen im schönen Allgäu, weil ich dort in der Nähe in der Brauerei Meckatzer Löwenbräu eine Ausbildung zum Brauer und Mälzer mache.
 "...was mich wirklich glücklich macht - das LEBEN. Und dazu gehört für mich einfach gutes Essen, Sport und die Begegnung mit interessanten Menschen..."

Du hast Deinen Job geschmissen und eine Ausbildung angefangen. Wie hat sich diese Entscheidung entwickelt? 
Ich habe nach dem Studium einige Zeit gearbeitet, insgesamt 3,5 Jahre. Zuerst als Trainee und später in einer leitenden Funktion im Qualitätsmanagement. Ich habe schnell wahnsinnig viel gelernt, vor allem Sprachen, und viel über andere Kulturen und mich selbst und da ist mit sehr schnell klar geworden, dass es mehr gibt als ein toller Manager zu werden und mich das auf Dauer nicht glücklich machen würde. Ich hatte einfach keine Lust, mich zu verbiegen. Was ich in meiner Zeit in Italien, Frankreich, Spanien, Costa Rica, etc..,gelernt habe war, was mich wirklich glücklich macht - das LEBEN. Und dazu gehört für mich einfach gutes Essen, Sport und die Begegnung mit interessanten Menschen, vor allem beim Reisen. Irgendwann hatte ich die Chance, eine Lehre als Brauer anzufangen, an die ich über eine Freundin aus Costa Rica gekommen bin und da habe ich eine Herzensentscheidung getroffen und im Juni 2013 meinen Job geschmissen, um eine Lehre als Brauer und Mälzer anzufangen und die Entscheidung fühlt sich jeden Tag richtiger an.

Die Freude an guter und gesunder Ernährung habe ich quasi mit in die Wiege gelegt bekommen, da meine Mama als Spanierin immer sehr gesund gekocht hat. Während meiner Zeit im Ausland habe ich dann auch gemerkt, wie qualitativ hochwertig und gut eigentlich unser deutsches Bier ist und habe immer ein paar Kisten mit im Gepäck gehabt und somit auch sehr schnell viele nette Leute kennengelernt. Die Idee, Brauer zu werden, ist also Stück für Stück gewachsen. Irgendwann habe ich einfach die Gunst der Stunde genutzt.


Wie schwierig war es, Deine Familie und Freunde von Deiner Entscheidung zu überzeugen?
Die Frage ist einfach. Gar nicht schwer. Die Leute fanden es durchweg toll und haben die Entscheidung bewundert, weil eigentlich viele gerne selbst etwas an ihrer Situation ändern würden, weil sie nicht glücklich im Job sind, aber sie keine guten Ideen haben, was sie ändern können. Jeder weiß, wie schwer es ist mit 28 Jahren nochmal von Neuem anzufangen.

"Brauer sein heißt viel putzen und viel Geduld haben. Wir fangen in der Brauerei früh an und die meiste Zeit putzen wir eigentlich!" 

Du hast ja keinen "Bierbrauerhintergrund" . Warum hast Du Dich ausgerechnet für die Bierbrauerei entschieden?
Wie gesagt, ich denke es war eine Reihe von Zufällen. In Italien habe ich so viele Leute kennengelernt, die selber Wein und Olivenöl machen und war so beeindruckt, wie stolz diese Menschen auf Ihre Produkte und Esskultur sind. Mein bayerisches Bier kam dort und später auch in Spanien, Costa Rica und Mexiko so gut an, dass ich immer zum Spaß gesagt habe, dass ich meinen Job schmeiße und Bierbrauer werde. Irgendwann war es kein Spaß mehr.


Kannst Du uns beschreiben, welche Aufgaben in Deinem beruflichen Leben alltäglich auf Dich warten?
Brauer sein heißt viel putzen und viel Geduld haben. Wir fangen in der Brauerei früh an und die meiste Zeit putzen wir eigentlich. Hygiene ist das Wichtigste, denn nur so gelingt gutes Bier. Den Rest der Zeit verbringe ich in der Füllerei und durchlaufe alle Abteilungen, um möglichst viel über den Brauprozess, die Rohstoffe und alle technischen Installationen zu lernen. So wird einem nie langweilig. Die Arbeit mit einem Naturprodukt ist super spannend und ich weiß jetzt schon, dass ich, selbst wenn ich die nächsten zehn Jahre Brauer bin, nicht alles über Bier weiß, was ich wissen will.


Hast du Deine Entscheidung jemals bereut?
Bereut nie. Es war nicht immer einfach. Man muss sich finanziell etwas anpassen und man ist eben nur der Lehrling und nicht mehr ein Manager. Das war im Grunde am schwierigsten.


Wo schmeckt das Bier am besten?  
Bier schmeckt am Besten in guter Gesellschaft. Es gibt viele Biere und zu jedem Anlass passt ein bestimmtes. Zum Beispiel ein leichtes Helles an einem heißen Strandtag. Ob es schmeckt oder nicht entscheidet also der Moment und die Gesellschaft, in der man es trinkt. Beim Sonnenuntergang in Costa Rica schmeckt es aber besonders gut muss ich zugeben.



Kannst Du uns auch von Deinen Reisen erzählen? Was war Dein Antrieb auf Reisen zu gehen?
Ja, ich war viel auf Reisen, aber es ist mehr als das. Ich verbringe gerne einen Teil meines Lebens im Ausland und versuche das im Studium, privat und mit meiner Arbeit zu verbinden. Damit habe ich schon früh angefangen. Zuerst war ich mit meiner Familie immer bei meinen Verwandten in Spanien, dann drei Jahre in Afrika, weil mein Papa dort Arzt war. Später im Studium ging ich zwei Jahre nach Spanien, Costa Rica und Italien und dann beruflich mehrere Jahre nach Frankreich, Niederlande und Italien. Ich habe nachgerechnet: Insgesamt war ich jeden dritten Tag meines Lebens im Ausland und das hat seine Gründe. Ich bin super neugierig! Es war nicht immer einfach, weil man anfangs immer alleine ist, aber man wächst unheimlich an den Erfahrungen und man trifft so viele liebe Menschen und lernt so viel. Das möchte ich nicht missen. Ich nutze jede freie Minute, um unterwegs zu sein. Ich war erst kürzlich wieder in New York und habe mir natürlich auch dort eine kleine Brauerei angeschaut, wie soll´s auch anders sein.


Welchen Nutzen hast Du aus Deinen Reisen gezogen?
Ich bin jetzt der Mensch, der ich bin. Das Reisen hat mich ein Stück mutiger und optimistischer gemacht und das hat mich sehr viel weitergebracht.


Was bedeutet für Dich True Spirit?
True Spirit bedeutet für mich, sich nicht zu verbiegen und auf sein Herz zu hören. Jeden Tag aufzustehen und mit sich selber im Reinen zu sein, sich selbst im Spiegel sehen zu können. Das ist für mich True Spirit.

Lieber Josef, vielen Dank für Deine tolle Geschichte und alles Gute für Dich!

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