Montag, 16. Januar 2017

Hemispheres: Graphic Novel mit Vision - Christopher De La Garza


Als wir im letzten Jahr auf der Comic Convention 2016 in Stuttgart waren, stach uns unter den unzähligen Ständen und Neuveröffentlichungen ein Projekt sofort ins Auge: Die Graphic Novelle Hemispheres: Corpus Separatum! Umso mehr freut es uns, dass sich Christopher De La Garza der federführende Autor des Teams bereit erklärt hat, mit uns über sein Tun und Wirken zu sprechen.


Lieber Christopher, kannst Du Dich unseren Lesern in einigen Worten vorstellen?
Ich bin gelernter Mediengestalter für Bild und Ton, absolvierte meinen Zivildienst in einem internationalen Theaterzentrum in Potsdam und brach erfolgreich zwei Studiengänge für Architektur und Städtebau und Kommunikationsmanagement ab. Schon während der Ausbildungszeit arbeitete ich parallel an eigenen Projekten und baute meine eigenen Unternehmen auf, mittlerweile sind es sechs an der Zahl. Alle Unternehmen sind Teil der Kultur- und Kreativwirtschaft. Ich mache PR-Beratung, Kultur-Kommunikation, Event-Management und Personal Identity Branding und bin als Unternehmengestalter, Produzent und Autor ein Ansprechpartner für meine Kunden. Ich setze Visionen in die Realität um und helfe dabei komplexe Kommunikation zu vereinfachen.


Du bist federführender Autor und Produzent beim Graphic Novel Projekt „Hemispheres“. Kannst Du uns erzählen wie es dazu kam? Wie kommt man auf die Idee einen Comic zu machen - zumal dieses Medium in Deutschland nach wie vor ein Nischendasein fristet?!
In erster Linie sollte die Geschichte ein dystopischer Roman werden welcher in der Zukunft spielt und von einer Gesellschaft erzählt, die nur noch Symptome bekämpft, statt die Ursachen der Probleme zu erkennen. Schon seit ich klein war schrieb ich Aphorismen, Gedichte, Kurzgeschichten und Essays, später dann längere Texte und eine ganze Geschichte. Kurz vor dem Start stieß ich auf Sascha Grusche, welcher bei uns in die Wohngemeinschaft zog. Kurzerhand entstand zusammen die Überlegung diese Geschichte weiterzuentwickeln und mit fotorealistischen Bildern zu erweitern. Daraus wurde zunächst ein Comic, eine Graphic Novel und schließlich Hemispheres World. Die geplante Trilogie der Corpus-Reihe, das Online-Magazin inklusive Podcast-Format (Zukunftsoptimisten, ab Januar 2017) und der Webcomic (Hemispheres Eccentricity) mit internationalen, sowie nationalen Top-Künstlern u.a. Daniel Lieske.

Um was geht es grob zusammengefasst in Hemispheres?
Bei Hemispheres geht es um ein großes Universum. Hemispheres World ist eine Plattform für gesellschaftlichen und globalen Wandel und schafft eine gemeinsame Vision für die ökologischen, sozialen und ökonomischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Die Fragen aus der Geschichte über Zukunft und Lebensqualität werden in Form von Interviews, Podcasts und Webcomics in den gemeinsamen Dialog gebracht. Hemispheres World. Erzählungen zum Erlebnis machen und Erkenntnis ermöglichen.


Wie hat sich Deine Arbeit als Autor von Hemispheres dargestellt? Beruht die ganze Geschichte auf Deinen Ideen?
Die Grundidee des ersten Bandes  basiert auf einer Geschichte von Nietzsche, Zarathustra. Dort geht es um einen Einsiedler der nach Jahren der Askese die Früchte seiner Erkenntnisse mit den Menschen im Dorf teilen möchte. Das Problem ist allerdings, dass ihm niemand zuhört. Die Essenz seiner Reise: "Weder Hirte noch Totengräber sollst du sein, zu den Tanzenden und Schaffenden sollst du dich gesellen. Zu den Schaffenden, Erntenden, Tanzenden, die neue Werte auf neue Tafeln schreiben will ich mich gesellen." Diese kurze Geschichte von ihm hat mich wachgerüttelt und ich denke, dass es nach wie vor eine sehr teilenswerte Idee ist. 

Wie ist die Arbeit mit dem Medium „Graphic Novel“ – schränkt es den Autor eher ein, weil er weniger Text zur Verfügung hat oder ist sogar das Gegenteil der Fall?                                                  
Ich las einmal einen Artikel, der handelte davon dass ein Comic-Autor oder Künstler jahrelang in seinem stillen Kämmerlein säße und selbst nach der Veröffentlichung kaum mehr verdienen würde als ein Taxi-Fahrer. Dieser Artikel macht mich heute immer noch fuchsteufelswild: einmal die Stereotype des einsamen Künstlers und auf der anderen Seite eine eindimensionale Betrachtung von Geschäftsmodellen. Wenn man sich die Wertschöpfungskette anschaut, wird dort viel Potential vergeudet. Die Branche ist selbst schuld, wenn sie in dieser Lage steckt nicht in der Lage ist über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. Buchverlage, Autoren wie auch Künstler müssen sich neu erfinden und weiterentwickeln. Ich beschäftige mich viel mit Zukunftsentwicklungen, einflussreichen Kräften wie z.B. dem Silicon Valley und beobachte Entwicklungen, die nicht zu stoppen sind und wie Wellen über uns hereinbrechen werden. Was früher Rechner und Internet in Kombination schufen, wird demnächst Cloud und KI werden. Mit intelligenten, persönlichen Assistenten werden die gefeierten Apps gänzlich nutzlos sein. Diese Anstöße gehen einerseits mit Zerstörung und Verlust einher, wiederum entsteht aber auch Neues. Zukunftsthemen liegen mir besonders am Herzen. Ich liebe das Neue. 
Seit unserem ersten Pinselstrich mit einer fertigen Seite wurden bereits Ausstellungen geplant, Work in Progress gezeigt, wir haben unsere Fans mit einbezogen, haben sie gefragt was sie haben wollen, ob sie das Produkt oder die Dienstleistung überhaupt haben wollen. Einen Prototyp bauen, ausprobieren, scheitern und wieder neu ausrichten, probieren und nicht vorher aufhören bis es  klappt. Es gibt das eine Geschäftsmodell für deine Idee, du hast sie nur noch nicht gefunden. Jeder kann seine Träume und Visionen verwirklichen. Die Graphic Novel selbst ist ein wunderbares Medium und wenn man sich als Autor einschränkt, glaubt, dass es bei Papier und Pinselstrich endet, irrt sich. Es geht bei einer Story um eine Idee, um eine Erfahrung in die man eintauchen kann. Man muss die Erzählung zum Erlebnis machen und dadurch Erkenntnis ermöglichen. Unterhaltung mit Tiefgang schaffen!


Hemispheres zeichnet ein düsteres Bild der Zukunft und reiht sich in klassische Endzeitdystopien ein. Habt Ihr ein klares Sendungsbewusstsein?
Wie Oscar Wilde bereits sagte, Dystopien sind ein Mittel der Balance um auf Missstände aufmerksam zu machen. Wir überlegen, was uns extrem stört, an der Ökonomie, am Gesundheitssystem o.ä. und greifen das als Thema auf. Uns geht es in erster Linie um Unterhaltung mit Tiefgang. Es geht dabei auch immer um wissenschaftliche Phantastik, nicht nur weil unser Illustrator Sascha Grusche Physiker ist, sondern auch weil wir schauen was es bereits in der Welt gibt, welche Technologien, Trends und Ereignisse gibt es bereits und lassen diese Dinge einen Teil der Erzählung werden. Ich würde jetzt nicht so weit gehen und uns mit der Musikband Massive Attack vergleichen, aber ich las, dass die Gruppe sogar einen Algorithmus für ihre Shows geschrieben hat der aktuelle, viel diskutierte Nachrichten aus der Welt verarbeitet und live in einer eigenen Form wiedergibt. Das ist auch einfach Kunst, eine Transformation und Metamorphose. Vielleicht würden sich deren Zielgruppen gar nicht großartig mit einem bestimmten Thema beschäftigen, das ändert sich aber schlagartig indem sie die 'Wellenlänge' der Erscheinung ändern und umwandeln. Das ist entweder Kunst, Physik oder spirituell...? Für mich spielt das keine Rolle, solange die Botschaft verständlich wird und viele verschiedene Menschen dadurch erreicht. Your message is only as good as your ability to share it!

Warum ist die Hauptfigur ein Buddhist? Taugen die monotheistischen Religionen nicht zur Erlösung des modernen Menschen?
Wir sind keine Botschafter für den Buddhismus. Der Mönch David unserer Geschichte ist verletzlich und genauso sterblich wie alle anderen Menschen auch. Er ist kein Superheld. Er empfindet Glück und leidet gleichermaßen. Wie Simon sagt, war Buddha eine Art Ur-Psychologe der Wissenschaft betrieb von Ursache und Wirkung. Buddhismus ist für uns mehr eine Art zu denken, eine Philosophie und Wissenschaft. Der Buddhist möchte ausbrechen aus dem Leidenskreislauf, um alle anderen Lebewesen vom Leid zu befreien. Das ist eine sehr edle Idee, welche die Lebensqualität auf der Erde und unserer Gesellschaft verbessert. Ich kenne mich nicht gut genug aus, um darüber ein kompetentes Urteil zu treffen, aber ich sehe dass Menschen einen Sinn erfahren und durch die Religion eine Struktur an die Hand bekommen, die sie glücklich macht. Letztlich trägt das dazu bei eine Balance zu fördern und für Stabilität zu sorgen. Seit Menschengedenken gibt es Konflikte, klar... aber wenn ein System aus dem Gleichgewicht gerät zweifle ich dessen Effektivität an.


Von der Idee zum Projekt: Wie sieht das eigentlich in der Praxis aus?
Wir sind immer noch auf der Suche nach einem geeigneten Geschäftsmodell was für uns funktionieren kann. Das bedeutet, dass wir die Ressourcen haben mehr als nur ein paar Stunden am Tag an der Hemispheres World arbeiten zu können. Momentan arbeitet das gesamte Team nebenbei an dem Projekt. Aktuell sind wir zwar bei der schwarzen Null, so dass sich der Druck, die Produktion von Kunstdrucken/Merchandise, der Besuch von Messen und allen Kosten die damit verbunden sind die Waage halten, jedoch soll das nicht der Status Quo bleiben. Das führt letztlich dazu, dass wir größer denken müssen und das auch wollen. Durch die Erfahrungen der Produktion an dem ersten Band seit 2011 haben wir viel dazugelernt. Die Produktion läuft aktuell so ab, dass ich das Script komplett fertig schreibe und dann erst die Arbeit an dem Storyboard beginnt, danach die Shootings, Matte Paintings, Zeichnen, Kolorieren etc. So vermeiden wir intern Stress und Frust, wenn jemand seine Aufgaben nicht rechtzeitig erledigt und wir können uns bei der jedem Produktionsschritt auf eine hohe Qualität konzentrieren, ohne dabei Abstriche machen zu müssen. Natürlich arbeiten wir dabei sehr intensiv und alle Fans können auch während den Messebesuchen in Diskussionen und Unterhaltungen die Story mit nach vorne treiben. Wir lernten in Wien z.B. eine Biologin kennen, die bei der NASA ihren Doktor machen möchte. Um nicht zu viel zu verraten, kann ich sagen dass sie eine Rolle für unseren zweiten Buchband erhalten hat und uns gleichzeitig wissenschaftlich berät. Simon arbeitet aktuell an dem Design-Guide für Hemispheres Eccentricity und wird den Prozess über seinen Channel auf Twitch streamen. Dadurch hoffen wir auch, dass unsere Patreon-Seite etwas bekannter wird und wir somit schrittweise ein Grundeinkommen generieren können für die größeren Sprünge. Für den zweiten Band wird es auf Kickstarter eine große Kampagne geben.

Wie geht’s mit Hemisphere und Dir weiter? Planst Du schon die nächsten Projekte?
Ich bereite aktuell einen Podcast vor. Entwicklungen werden global von einflussreichen Kräften wie dem Silicon Valley angestoßen. Unaufhaltsam überfluten diese Anstöße die Menschheit. Mit Zerstörung, Angst und Verlust, aber auch mit einem Neubeginn und Wandel. Wir brauchen jedoch Menschen, die sich positiv mit dem Thema „Zukunft“ auseinandersetzen. Wir brauchen Zukunftsoptimisten. Das Podcast-Format „Zukunftsoptimisten“ sucht Geschichten von Menschen, die die Welt pro-aktiv gestalten und die Zukunft positiv verändern. Themen rund um Lebensqualität, Zukunft, Design und Unternehmertum. Werde Zukunftsoptimist! Diese Auskopplung wird das Online-Magazin auf der Webseite von Hemispheres erweitern und dem gesamten Format noch mal mehr Power geben. Das neue Format präsentiere ich zusätzlich auf der diesjährigen re:publica in Berlin.

Als Event-Manager starte ich am 08. April die deutschlandweite Premiere für die Dokumentation "LEAP" wo es um verschiedene Charaktere geht, die mittels Coaching ihr Leben positiv verändert haben. Der erste Termin wird in Berlin stattfinden. Das Programm wird durch zwei der renommiertesten deutschen Speaker (Tobias Beck und Alexander Hartmann) abgerundet, die jeweils einen eigenen Keynote auf dem Event halten. Es wird dieses Jahr insgesamt vier Veranstaltungen geben, in Berlin, Frankfurt, München und Köln. 


Was empfiehlst Du Leuten, die auch als Autor tätig sein wollen oder gar ein eigenes Graphic Novel erschaffen wollen?
Machen. Einfach durchstarten und nicht lange darüber nachdenken. Jetzt ist die beste Zeit um seinem Herzen zu folgen. Jeder kann seine Träume verwirklichen wenn er sie verfolgt. Niemand muss sich vor gar nichts fürchten. Ein großes Ziel, eine große Vision ist sehr wichtig. Stecke dir Ziele, die außerhalb deiner eigenen Reichweite liegen, so dass du daran wachsen musst um sie zu erreichen. Ziele sind wichtig, aber nicht alles. Wichtig sind einzelne Etappensiege und Erfolgserlebnisse auf dem Weg, damit du die Durststrecken zwischen den Oasen auch durch hältst. Du entscheidest selbst wie du die Reise erlebst, ob du asketisch wie ein Mönch, fokussiert wie ein Adler oder diszipliniert wie ein Athlet sein möchtest. Selbst wenn alle Chancen gegen dich stehen, wenn du es wirklich tun möchtest, tue es. Global gesehen ist das natürlich differenziert zu betrachten, es geht uns hier in Deutschland sehr gut. Niemand muss auf der Straße leben oder verhungern. Die Grundexistenz ist abgesichert. 

Was ist für Dich der „True Spirit“?
Screw it, just do it! 

Lieber Christoper, vielen herzlichen Dank für diesen spannenden EInblick in Dein Leben und Deine Arbeit und viel Erfolg bei Deinen Projekten!

Wer mehr über Christopher und seine Projekte erfahren möchte, dem seien die folgende Links an Herz gelegt:


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