Samstag, 11. Februar 2017

Die Essenz des ZEN - Abt Muho

Spätestens seit Yoga und Meditation auch in Deutschland eine breitere Masse erreicht haben, stolpert man auch jenseits Japans über den Begriff des ZEN. Was sich aber hinter dem Begriff verbirgt, ist nur wenigen bekannt. Umso mehr freut es uns, dass der im japanischen Kloster Antaiji lebende Zen-Meister Abt Muho sich die Zeit für ein kurzes Interview mit dem True Spirit Blog über das Thema "Zen" genommen hat.



„Zen for Nothing“ heißt der Film der letztes Jahr in die deutschen Kinos kam und eine junge Frau begleitet, die mehrere Monate in Ihrem Zen- Kloster Antaiji verbringt. Bereits der Titel spricht die Essenz des Zen an, nachdem Zen für „nichts“ gut ist. Was hat es damit auf sich? Warum sollte man Zen praktizieren?

Sollte man Zen praktizieren? Nein, um Gottes Willen! Wer behauptet denn das? Aus meinem Mund stammt das nicht. Solange einer Zen praktiziert, in der Hoffnung, dass es ihm etwas bringen möge, geht er in die falsche Richtung. Nur wer sich hinsetzt und ganz loslässt, macht Zen. Aber dann denkt er noch nicht einmal mehr, dass er "Zen" macht. Er macht`s einfach.



„Es gibt zwar Katzen und Ochsen, aber ein Ich, das gibt es nicht.“ Falls ich die Praktik des Zen richtig verstanden habe, geht es bei der Meditation darum, die Gedanken gehen zu lassen, nicht an Ihnen festzuhalten und einzutauchen in das was dahinter liegt. Jedoch verstehe ich nicht, weshalb wir Menschen dann so geschaffen wurden, dass wir eben dieser Ich-Struktur unterliegen? Ist Zen eine Flucht aus der „Realität“?

Nicht, wenn man die Ich-Struktur recht versteht. Zen behauptet ja nicht, dass wir diese Struktur nicht besäßen, oder besitzen sollten. Sondern: Durch diese Struktur identifizieren wir uns mit nur einem sehr kleinen Teil der Realität (nämlich diesem Körpers, den wir unseren eigenen nennen, oder dem psychologischen Apparat, der mit ihm verbunden ist), und alles andere darum herum wird als nicht zu uns gehörend ausgeblendet. Es ist also eben diese Struktur, die uns die Realität nicht erkennen lässt: Alles, wirkliches alles was mir in diesem Moment begegnet, ist Teil meiner selbst. Es geht nicht darum, die Ich-Struktur zu verleugnen, sondern sie zu durchschauen und zu erkennen, was sie verdeckt hält.




In unserer westlichen Welt ist das Interesse für Meditation und Yoga in den letzten Jahren stark angestiegen. Es scheint so als suchten die Menschen nach „neuen“ spirituellen Wegen. Kann und will Zen dieses Bedürfnis befriedigen oder besteht die Gefahr zu einem modischen Trend zu verkommen?
Nein, Zen will keine Bedürfnisse befriedigen. Deshalb behaupten wir ja, es sei gut fuer nichts. 

Immer wieder liest man, dass wir in einer besseren Welt leben würden, wenn an den Schulen Meditationsunterricht gelehrt würde. Hat Zen das Potential die Welt zu verändern?

Darüber habe ich vor einigen Jahren mal mit Scobel im TV diskutiert. Scobel wollte Meditationsunterricht in den Schulen und einen spirituellen Weisenrat für die Republik, ich fand das eher abstrus. Wenn es die Option zu Meditieren an jeder Schule gäbe (für Interessierte) wäre das sehr schön. Aber es sollte keine Pflicht sein. Und ´"Meditationsfuzzis" als "Weise" auf ein Podest zu stellen, halte ich für gefährlich.



Was empfehlen Sie Menschen, die sich stärker mit dem Thema Zen befassen wollen? Kann man mit der Meditationspraktik einfach selber beginnen oder sollte man sich zunächst durch einen Meister in das Thema einführen lassen?

Ich würde zumindest empfehlen, einmal bei Google nach einer Meditationsgruppe in der Naehe zu gucken. Es muss nicht immer ein erleuchteter Guru sein, selbst ein halbes Dutzend Gleichgesinnter hilft schon viel weiter auf dem Weg. Insbesondere ist es wichtig, dass einen von Zeit zu Zeit kritische Augen betrachten und Feedback geben. Wenn man abhebt, kann einen ein Freund wieder auf den Teppich holen. Wenn man den Mut verliert, kann ein Freund aufmuntern.




Was sollte man beim Sitzen in der Meditation beachten? Ist es zwingend erforderlich im (halben) Lotussitz zu verweilen oder ist auch ein Meditieren im Knie-Sitz oder auf einem Stuhl möglich? 
Nein, das ist nicht "zwingend" erforderlich. Aber: Die Körperhaltung beeinflusst die Geisteshaltung, Deshalb lohnt es sich durchaus, sich bei der Einnahme der Haltung Mühe zu geben und so gut zu sitzen wie es eben geht.




Und natürlich darf im True Spirit Blog nicht die Frage fehlen, was für Sie der „True Spirit“ ist?  
Ist damit der heilige Geist gemeint? Dem bin ich bislang noch nicht begegnet. Dafür lebe ich meinen alltäglichen Geist, heute, morgen, Tag für Tag.


Verehrter Abt Muho, haben Sie vielen Dank für Ihre Mühen und den spannenden Einblick in das Wesen des Zen.

Weitere Informationen über Abt Muho, das Kloster Antaiji und ZEN findet Ihr auf der Homepage des Klosters: http://antaiji.org/de/


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